Die Nachfrage steigt, das Angebot stimmt, die Firma wächst. Alles bestens. Doch es gibt einen Schwachpunkt: In Wachstumsphasen fehlt es oft am Bewusstsein oder an der Zeit, um die Organisation und die Geschäftsprozesse mitwachsen zu lassen. Ein Blick auf die wichtigen Handlungsfelder.
Der Kunde ist König. Diese alte Weisheit ist immer noch gültig. Unternehmen, die danach handeln, haben gute Wachstumschancen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass sich in einer Firma vieles verändert, wenn sie grösser wird. Wenn das Team von zwei auf fünf, irgendwann auf zwölf und bald schon auf 25 Mitarbeitende anwächst, sind Anpassungen nötig – in der Führung, in den Prozessen, in der IT und in der Finanzbuchhaltung.
Finanzen im Blick halten
Wenn die Firma wächst, steigt nicht nur der Umsatz. Auch die Kosten – Betriebskosten, Personalkosten, Investitionen – gehen in die Höhe. Was der Unternehmer, die Unternehmerin in der Anfangsphase vielleicht noch «im Gefühl» hat, braucht jetzt solide Entscheidungsgrundlagen. Es ist wichtig, dass man die Relationen im Auge behalten kann. Wie entwickeln sich die Personal- und die Betriebskosten im Verhältnis zum Umsatz? Was ist an Investitionen nötig – und was ist verkraftbar?
Der Jahresabschluss einmal pro Jahr ist in Wachstumsphasen nicht mehr ausreichend. Es braucht eine Finanzbuchhaltung, die einerseits aktuell und andererseits klug aufgebaut ist. Aktuell heisst, dass man zum Beispiel auf jedes Monatsende hin eine solide Einschätzung der finanziellen Situation gewinnt. Klug bedeutet, dass man aus der Finanzbuchhaltung Kennzahlen generieren kann. So lassen sich Entwicklungen finanzieller Natur ohne Verzögerung erkennen und steuern.
Kennzahlen sind auch dann von grossem Wert, wenn man die Bank um einen Kredit ersucht. Wer solide Zahlen und einen überzeugenden Geschäftsplan vorlegen kann, hat beste Voraussetzungen, um die nötigen Mittel zu erhalten.
IT-Infrastruktur vorausschauend aufbauen
Wer je in einem Unternehmen mit mehreren IT-Insellösungen gearbeitet hat, weiss, wie aufwendig die Datenpflege sein kann – und wie fehleranfällig. Das ist nicht nur ineffizient, sondern macht eine spätere Zusammenführung umso komplexer, je länger man damit wartet. Abgesehen davon, kann man sich in IT-Fragen auf externe Fachleute abstützen.
Der Vorteil insgesamt: Wer über IT-Lösungen nachdenkt, beschäftigt sich naturgemäss mit der Frage, wie man die geschäftlichen Abläufe in jeder Phase ideal gestaltet – ideal aus Kundensicht und natürlich so effizient wie möglich für das Unternehmen selber. Und sind weitere Wachstumsschübe absehbar oder erwünscht, kann man dies bei der Ausgestaltung der IT-Infrastruktur bereits vorausschauend einkalkulieren.
Klare Strukturen und Abläufe
Natürlich, in Wachstumsphasen neigt man nicht unbedingt dazu, zusätzliche «Baustellen» zu eröffnen. Aber es gibt Vorleistungen, die sich auszahlen, je früher man sie angeht. Wenn immer mehr Mitarbeitende ins Spiel kommen, sollte man so früh wie möglich für einheitliche Arbeitsabläufe sorgen. Das ist eine Frage der Effizienz und stellt sicher, dass die Kunden Leistungen «aus einem Guss» erhalten – unabhängig von der zuständigen Ansprechperson in der Firma.
Dazu legt man allgemeinverbindlich fest, wie einzelne Arbeitsprozesse abzulaufen haben und fixiert die entsprechenden Vorgaben – zum Beispiel in Verknüpfung mit Checklisten. Auch ein Personal- und ein Spesenreglement leisten nützliche Dienste, wenn die Firma grösser wird. Alles, was man in diesen beiden Dokumenten allgemeingültig geregelt hat, muss man nicht mehr einzeln aushandeln und in den Arbeitsverträgen individuell ausformulieren.
Quelle: Treuhand | Suisse